Als wir Miezi vor sechs Jahren als Jungtier aus dem Tierheim holten, brachte sie nicht nur ihren ganz eigenen Charakter mit. Sie brachte auch eine laufende Nase mit.
Das Tierheim hatte uns darauf vorbereitet. Miezi litt bereits damals unter chronischem Katzenschnupfen. Ihre Beschwerden würden wahrscheinlich nie vollständig verschwinden.
Und tatsächlich: Eine kleine Rotznase hat Miezi eigentlich immer.
An warmen, trockenen Tagen fällt ihr Schnupfen kaum auf. Sobald das Wetter kalt und nass wird, verändert sich das. Dann läuft ihre Nase stärker, sie niest häufiger und gelegentlich fliegt dabei auch etwas durch die Gegend, das man lieber nicht näher untersuchen möchte.
Bei einem stärkeren Schub tränen zusätzlich ihre Augen. Manchmal hustet sie rau und tief, beinahe wie nach einer durchgerauchten Nacht. Dann zieht sie sich zurück, schläft viel und sucht sich einen warmen, ruhigen Platz.
Für uns ist das inzwischen ein bekanntes Bild. Wir wissen aber auch, dass wir nicht jede Veränderung einfach mit ihrem chronischen Schnupfen erklären dürfen. Im vergangenen Jahr wurde Miezi deutlich schwächer, verlor Gewicht und fraß schlechter. Da war klar: Dieses Mal reicht Beobachten allein nicht mehr.
Die kurze Antwort: Wenn eine Katze ständig oder wiederholt Schnupfen hat, kann eine chronische Erkrankung dahinterstecken. Das sollte tierärztlich abgeklärt werden. Bei einer bereits diagnostizierten Katze können die Beschwerden unterschiedlich stark auftreten. Entscheidend ist, ihren normalen Zustand gut zu kennen und aufmerksam zu werden, wenn neue Symptome dazukommen oder sich ihr Allgemeinzustand deutlich verschlechtert.
Miezi zeigt uns seit sechs Jahren, dass eine Katze trotz chronischen Katzenschnupfens ein gutes und ziemlich selbstbestimmtes Leben führen kann. Sie braucht während eines Schubs etwas mehr Ruhe, Wärme, Geduld und Pflege.
Und sobald es ihr wieder besser geht, erinnert sie sich zuverlässig daran, dass Menschen nicht nur zum Füttern da sind, sondern auch zum Schmusen.
Katzenschnupfen ist nicht einfach nur eine harmlose Erkältung, wie wir Menschen sie kennen. Hinter dem Begriff können verschiedene Erreger und Erkrankungen der oberen Atemwege stecken.
Zu den möglichen Auslösern gehören unter anderem feline Herpes- und Caliciviren sowie verschiedene Bakterien. Welche Ursache bei einer einzelnen Katze vorliegt, lässt sich nicht allein anhand einer laufenden Nase feststellen.
Bei manchen Katzen heilt eine akute Erkrankung vollständig aus. Andere behalten dauerhaft Beschwerden oder erleben immer wieder neue Schübe. Das kann sich durch Nasenausfluss, häufiges Niesen, tränende Augen oder weitere Atemwegsbeschwerden zeigen.
Gerade Katzen aus Tierheimen können bereits früh mit den entsprechenden Erregern in Kontakt gekommen sein. Miezi war schon krank, als sie als Jungtier ins Tierheim kam. Welcher Erreger ursprünglich hinter ihrer Erkrankung steckte, wissen wir nicht. Die Diagnose „chronischer Katzenschnupfen“ begleitet sie aber seit dieser Zeit.
Wie sich Miezis Vertrauen in den vergangenen sechs Jahren entwickelt hat, erzählen wir in „Wie tief kann eine Tierheimkatze vertrauen?“
Nicht jede Katze mit gelegentlichem Niesen leidet automatisch unter chronischem Katzenschnupfen. Wenn Beschwerden dauerhaft bestehen, regelmäßig wiederkehren oder stärker werden, gehört die Abklärung deshalb in die Hände eines Tierarztes.
Miezis Nase läuft auch an guten Tagen ein wenig. Das ist ihr normaler Zustand und für uns zunächst kein Grund zur Beunruhigung.
Bei einem Schub werden die Beschwerden jedoch deutlich stärker. Dann beobachten wir bei ihr:
häufigeres und kräftigeres Niesen,
Nasenausfluss, der beim Niesen auch einmal durch die Gegend fliegt,
tränende Augen,
gelegentlichen rauen Husten,
weniger Appetit,
mehr Schlaf
und einen stärkeren Rückzug.
Miezi möchte in dieser Zeit häufig für sich sein. Sie sucht sich einen ruhigen, warmen Platz und hat wenig Interesse an langen Schmuseeinheiten.
Das nehmen wir ihr nicht übel. Auch eine Katze darf ihre Ruhe haben, wenn es ihr nicht gut geht.
Sobald der Schub nachlässt, verändert sich ihr Verhalten wieder. Sie frisst besser, wird aktiver und sucht erneut unsere Nähe. Spätestens wenn sie zum Schmusen kommt und deutlich macht, dass wir sie in den vergangenen fünf Minuten sträflich vernachlässigt haben, wissen wir: Miezi ist wieder auf dem Weg der Besserung.
Bei Miezi scheint die Witterung eine deutliche Rolle zu spielen.
Während warmer und trockener Phasen ist ihr Schnupfen meistens schwächer. Ganz verschwindet die laufende Nase zwar auch dann nicht, aber sie beeinträchtigt Miezi offenbar kaum.
Dass sich mit den kühleren Nächten auch Miezis Schlafgewohnheiten verändern, haben wir bereits in „Warum kommt meine Katze plötzlich nachts ins Bett?“ beschrieben.
Wird es draußen kalt und nass, beginnt häufig ein neuer Schub. Sie niest stärker, schläft mehr und hält sich lieber an warmen, geschützten Plätzen auf. Gerade der Übergang vom Sommer in den Herbst ist deshalb eine Zeit, in der wir sie besonders aufmerksam beobachten.
Gleichzeitig beginnt bei vielen Katzen der herbstliche Fellwechsel. Wie wir Miezi dabei unterstützen, erfährst du in unserem Artikel über das Bürsten während des Fellwechsels.
Das ist unsere Erfahrung mit Miezi und keine allgemeingültige Regel für alle Katzen. Kaltes Wetter verursacht nicht automatisch Katzenschnupfen. Bei einer Katze mit einer chronischen Erkrankung können sich bestehende Beschwerden nach unserer Beobachtung jedoch abhängig von Witterung und Allgemeinzustand unterschiedlich stark zeigen.
Wer mit einer chronisch kranken Katze lebt, lernt ihren persönlichen Grundzustand sehr genau kennen.
Bei Miezi gehört eine leicht laufende Nase zum Alltag. Auch gelegentliches Niesen kennen wir von ihr. Solange sie normal frisst, sich bewegt, ihre Umgebung beobachtet und sich ansonsten wie gewohnt verhält, bleiben wir aufmerksam, geraten aber nicht bei jedem Nieser in Sorge.
Wichtiger als ein einzelnes Symptom ist für uns die Veränderung gegenüber ihrem normalen Zustand.
Wir schauen genauer hin, wenn:
der Nasenausfluss deutlich stärker wird,
sie wesentlich häufiger niest oder hustet,
ihre Augen stark tränen,
sie schlechter frisst,
sie ungewöhnlich lange für sich bleibt,
sie deutlich weniger aktiv wirkt
oder Gewicht verliert.
Besonders Atemprobleme, eine anhaltende Futterverweigerung oder eine deutliche Schwäche sollten nicht einfach mit dem bekannten chronischen Schnupfen erklärt werden.
Genau diese Unterscheidung war im vergangenen Jahr wichtig. Miezi war nicht nur ein wenig stärker verschnupft. Sie wurde zunehmend schwächer, fraß schlechter und verlor Gewicht.
Im vergangenen Jahr verlief einer ihrer Schübe anders als gewohnt.
Miezi war deutlich geschwächt, fraß schlechter und verlor Gewicht. Natürlich neigt man bei einer Katze mit chronischem Schnupfen zunächst dazu, bekannte Beschwerden auch mit der bekannten Erkrankung zu erklären.
Doch chronisch bedeutet nicht, dass jede Verschlechterung automatisch normal ist.
Wir ließen Miezi deshalb vom Tierarzt untersuchen. Er gab uns ViroLysin plus mit. Das Präparat sollte ihr Immunsystem unterstützen und dadurch auch zu einer Besserung ihrer Schnupfenbeschwerden beitragen.
In der folgenden Zeit erholte sich Miezi. Ihre Beschwerden wurden schwächer, sie fraß wieder besser und war über den Winter erstaunlich fit.
Für uns war das eine große Erleichterung. Gleichzeitig zeigte uns diese Phase noch einmal, wie wichtig es ist, bei einer chronisch kranken Katze nicht nur auf das bekannte Symptom zu schauen.
Eine laufende Nase kannten wir von Miezi. Der Gewichtsverlust und die deutliche Schwäche waren dagegen neu.
Seit der Tierarzt uns ViroLysin plus für Miezi mitgegeben hat, verwenden wir es bei ihr zeitweise zur Unterstützung. Mittlerweile kaufen wir die Paste über Amazon nach.
Billig ist sie nicht. Bei Miezi haben wir jedoch den Eindruck, dass sie ihr während stärkerer Phasen hilft und sich ihr Allgemeinzustand damit stabilisiert.
Trotzdem möchten wir daraus keine allgemeine Empfehlung für jede verschnupfte Katze machen.
ViroLysin plus ist ein Ergänzungsfuttermittel und kein Ersatz für eine tierärztliche Untersuchung oder Behandlung. Außerdem lässt sich bei einer einzelnen Katze nicht sicher feststellen, ob eine Besserung ausschließlich durch ein bestimmtes Präparat, durch Ruhe, den natürlichen Verlauf des Schubs oder durch das Zusammenspiel mehrerer Faktoren entstanden ist.
Auch L-Lysin, ein Bestandteil des Präparats, wird in der Tiermedizin hinsichtlich seiner Wirksamkeit bei felinen Herpesvirusinfektionen kritisch beurteilt. Wir verwenden ViroLysin plus deshalb nicht aufgrund eines allgemeinen Heilversprechens, sondern weil unser Tierarzt es für Miezi empfohlen hat und wir bei ihr gute Erfahrungen damit gemacht haben.
Welche Unterstützung für eine andere Katze sinnvoll ist, sollte individuell mit dem behandelnden Tierarzt besprochen werden.
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Wenn Miezis Beschwerden stärker werden, möchte sie vor allem eines: ihre Ruhe.
Dann sucht sie sich einen warmen Schlafplatz und zieht sich zurück.
Falls deine Katze ebenfalls besonders warme Rückzugsorte liebt, findest du hier 7 gemütliche Schlafplätze für Katzen.
Wir lassen ihr diese Ruhe und versuchen nicht, sie ständig hervorzuholen oder zum Schmusen zu überreden. Sobald sie wieder Nähe möchte, zeigt sie uns das deutlich genug.
Während eines Schubs achten wir besonders darauf:
ob sie ausreichend frisst,
ob sie trinkt,
ob sie weiter normal atmet,
ob sich Nasen- oder Augenausfluss verändert,
ob sie ansprechbar und interessiert bleibt
und ob sie ihr Gewicht hält.
Verkrustungen an Nase und Augen entfernen wir vorsichtig, damit Miezi besser atmen und sehen kann. Dabei gehen wir behutsam vor, denn eine ohnehin angeschlagene Katze braucht keinen zusätzlichen Kampf mit ihren Menschen.
Wenn die Nase stark verstopft ist, kann auch der Appetit nachlassen. Katzen orientieren sich beim Fressen stark über den Geruch. Futter, das etwas angewärmt wird und dadurch intensiver riecht, kann dann interessanter sein. Entscheidend bleibt aber, ob die Katze überhaupt noch ausreichend frisst.
Ruhe und Wärme tun Miezi gut. Sie ersetzen jedoch keine tierärztliche Behandlung, wenn sich ihr Zustand deutlich verschlechtert.
Bei einer Katze mit chronischem Katzenschnupfen ist nicht jeder Nieser ein Notfall. Trotzdem darf die bekannte Diagnose nicht dazu führen, neue Beschwerden zu übersehen.
Tierärztlicher Rat ist besonders wichtig, wenn die Katze:
schwer, auffällig schnell oder mit geöffnetem Maul atmet,
kaum oder gar nicht mehr frisst,
deutlich weniger trinkt,
stark geschwächt oder kaum ansprechbar wirkt,
Gewicht verliert,
plötzlich wesentlich stärker hustet,
auffälligen oder stark veränderten Nasenausfluss zeigt,
schmerzhafte, gerötete oder stark verklebte Augen hat
oder sich ihr Zustand nicht bessert beziehungsweise weiter verschlechtert.
Wir kennen Miezis übliche Rotznase inzwischen sehr gut. Gerade deshalb merken wir meistens, wenn etwas anders ist als sonst.
Im vergangenen Jahr waren Gewichtsverlust, Appetitmangel und Schwäche für uns die entscheidenden Zeichen. Es ging nicht mehr nur um den bekannten Schnupfen. Miezis gesamter Zustand hatte sich verändert.
Im Zweifel ist es besser, eine Veränderung einmal zu viel anzusprechen, als sie zu lange ausschließlich mit der chronischen Erkrankung zu erklären.
Chronischer Katzenschnupfen gehört zu Miezi. Er bestimmt aber nicht ihr ganzes Leben.
Sie streift durch den Garten, überwacht das Haus, sucht sich die besten Schlafplätze und entscheidet selbst, wann Zeit zum Schmusen ist. An guten Tagen bemerkt man ihre Erkrankung fast nur an der kleinen Rotznase, die sie wahrscheinlich ihr ganzes Leben begleiten wird.
Während eines stärkeren Schubs braucht sie mehr Ruhe, Wärme und Aufmerksamkeit. Dann zieht sie sich zurück und schläft viel. Wir lassen ihr Zeit, beobachten sie und achten besonders darauf, ob sie frisst und wie sich ihr Allgemeinzustand entwickelt.
Sobald es ihr besser geht, kehrt auch ihre gewohnte Persönlichkeit zurück. Dann wird aus der zurückgezogenen Patientin wieder die heimliche Chefin des Hauses.
Das Leben mit einer chronisch kranken Katze verlangt etwas Geduld und einen aufmerksamen Blick. Man muss lernen, was für diese Katze normal ist und welche Veränderungen nicht mehr zu ihrem bekannten Krankheitsbild passen.
Vor allem darf man eine chronische Katze nicht nur als krank betrachten.
Miezi braucht manchmal etwas mehr Pflege als eine vollkommen gesunde Katze. Dafür schenkt sie uns Vertrauen, Nähe und sehr klare Anweisungen darüber, wo wir sitzen dürfen und wann endlich wieder Zeit zum Schmusen ist.
Eine ziemlich gute Vereinbarung, wie wir finden.
Norbert und das Miezi
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ÜBER DIE AUTOREN

Das Miezi und Norbert
Miezi ist die heimliche Chefin hier – neugierig, eigensinnig und sehr überzeugend, wenn es um Futter, Lieblingsplätze und Katzenlogik geht.
Norbert beobachtet den Katzenalltag mit viel Geduld und einem Blick für praktische Lösungen. Auf Dasmiezi.com geht es um Katzenzubehör, Katzentoiletten, Beschäftigung, Futter und kleine Alltagshelfer, die das Leben mit Katze einfacher machen können.
Wir schreiben aus echter Katzenerfahrung heraus – mit Freigängern, Katzenklappe, Alltagschaos und dem Wunsch, anderen Katzenhaltern gute, verständliche Orientierung zu geben.
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© Norbert Kammerer
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