Im SommSommSommer ist Miezis Platz im Bett morgens meistens leer.
Zum Einschlafen kommt sie zwar gern noch einmal vorbei. Dann wird geschmust, geschnurrt und so getan, als würde sie selbstverständlich die ganze Nacht bleiben.
Doch kaum sind die Menschen eingeschlafen, beginnt ihre Nachtschicht.
Wo sie unterwegs ist, wen sie trifft und welche wichtigen Dinge draußen geregelt werden müssen, bleibt natürlich ihr Geheimnis. Am nächsten Morgen ist das Bett jedenfalls leer, und von Miezi fehlt oft jede Spur.
Seit die Abende kühler geworden sind, hat sich das plötzlich geändert.
Ihre nächtlichen Unternehmungen scheinen kürzer zu werden. Mittlerweile liegt sie morgens wieder im Bett und schläft tief und fest. Und zwar nicht nur an Regentagen, sondern sogar dann, wenn draußen längst die Sonne scheint.
Da stellt sich natürlich die Frage:
Merkt eine Katze den kommenden Herbst früher als wir?
Auf den ersten Blick wirkt es vielleicht widersprüchlich.
Draußen scheint morgens die Sonne, und trotzdem liegt die Katze im warmen Bett, statt durch den Garten zu streifen.
Doch für Miezis Entscheidung dürfte weniger das Wetter am Morgen entscheidend sein. Viel wichtiger ist, wie kühl es während der Nacht und in den frühen Morgenstunden geworden ist.
Auch ein sonniger Tag kann nach einer deutlich kälteren Nacht beginnen.
Während wir Menschen vielleicht nur feststellen, dass wir morgens wieder eine Jacke brauchen, dürfte eine Katze die Veränderung viel unmittelbarer spüren.
Der Boden ist kälter, das Gras feuchter und die Luft längst nicht mehr so angenehm wie in einer warmen Sommernacht.
Da kann selbst eine überzeugte Nachtschwärmerin zu dem Schluss kommen, dass das Bett im Haus die bessere Wahl ist.
Katzen suchen sich ihre Schlafplätze nicht zufällig aus.
Sie liegen auf der Fensterbank in der Sonne, vor der Heizung, auf frisch zusammengelegter Wäsche oder genau auf dem Platz, den ihr Mensch eigentlich gerade benutzen wollte.
Ein Bett ist für eine Katze deshalb besonders attraktiv.
Es ist weich, geschützt und warm. Außerdem riecht es nach den vertrauten Menschen.
Im Sommer ist dieser Platz Miezi vermutlich manchmal schlicht zu warm. Wenn die Temperaturen nachts hoch bleiben, ist ein Streifzug durch den Garten deutlich angenehmer.
Sobald es draußen kühler wird, verändert sich die Rechnung.
Dann ist das Bett plötzlich nicht mehr zu warm, sondern genau richtig.
Dass Miezi morgens wieder im Bett liegt, bedeutet nicht zwangsläufig, dass sie die ganze Nacht dort verbracht hat.
Wahrscheinlicher ist, dass ihre Unternehmungen einfach kürzer werden.
Vielleicht geht sie weiterhin auf ihre übliche Runde, kontrolliert den Garten, überprüft verdächtige Geräusche und schaut nach, ob sich seit dem Vorabend irgendwo etwas verändert hat.
Nur irgendwann wird es ihr offenbar zu kühl.
Dann kehrt sie zurück, schlüpft ins Haus und legt sich ins warme Bett, als wäre sie nie weg gewesen.
Morgens sieht es dann so aus, als hätte sie die ganze Nacht friedlich geschlafen.
Über ihre tatsächlichen Arbeitszeiten erteilt sie selbstverständlich keine Auskunft.
Viele Katzen haben feste Abläufe.
Sie wissen genau, wann es Futter gibt, wann ihre Menschen aufstehen und zu welcher Uhrzeit der beste Platz auf dem Sofa frei wird.
Trotzdem sind diese Gewohnheiten nicht unveränderlich.
Temperatur, Tageslicht und Wetter können das Verhalten einer Katze beeinflussen.
Freigänger verbringen in warmen Nächten oft mehr Zeit draußen. Wird es kühler, ziehen sie sich früher ins Haus zurück oder suchen häufiger warme Schlafplätze auf.
Auch Wohnungskatzen reagieren auf die Jahreszeiten.
Sie liegen plötzlich wieder öfter auf Decken, schlafen näher an der Heizung oder suchen nachts die Nähe ihrer Menschen.
Manchmal merken wir erst an unseren Katzen, dass der Sommer langsam zu Ende geht.
Die Morgensonne allein reicht offenbar nicht aus, um Miezi wieder aus dem Bett zu locken.
Das ist eigentlich nicht überraschend.
Wenn sie einen Teil der Nacht draußen unterwegs war, hat sie möglicherweise einfach noch Schlaf nachzuholen.
Katzen schlafen ohnehin viele Stunden am Tag. Dabei wechseln sich tiefer Schlaf und kurze Ruhephasen ab.
Liegt Miezi morgens warm, sicher und gemütlich im Bett, gibt es aus ihrer Sicht wenig Anlass, sofort aufzustehen.
Der Garten läuft nicht weg.
Die Sonne scheint später wahrscheinlich immer noch.
Und die Menschen können ruhig noch ein wenig still liegen bleiben.
Eine Katze, die bei kühlerem Wetter früher nach Hause kommt und häufiger warme Schlafplätze aufsucht, verhält sich zunächst einmal nicht ungewöhnlich.
Gerade bei einem Freigänger kann sich der Tages- und Nachtrhythmus mit den Temperaturen verändern.
Wichtig ist, das gesamte Verhalten im Blick zu behalten.
Frisst die Katze normal, bewegt sie sich wie gewohnt und zeigt weiterhin Interesse an ihrer Umgebung, spricht vieles dafür, dass sie einfach ihren persönlichen Herbstbetrieb aufgenommen hat.
Anders sieht es aus, wenn sie plötzlich ungewöhnlich teilnahmslos wirkt, kaum noch frisst, sich dauerhaft zurückzieht oder deutlich weniger aktiv ist als sonst.
Dann sollte man die Veränderung nicht nur mit dem Wetter erklären.
Für uns beginnt der Herbst vielleicht erst, wenn die Blätter fallen, die Tage kürzer werden und wir morgens zum ersten Mal frieren.
Für Miezi beginnt er offenbar früher.
Nämlich in dem Moment, in dem die nächtlichen Unternehmungen nicht mehr wichtiger sind als ein warmes Bett.
Noch ist sie unterwegs.
Noch beginnt ihre Nacht mit einer Runde durch ihr Revier.
Aber irgendwann am frühen Morgen kommt sie zurück, rollt sich zusammen und schläft weiter, obwohl draußen die Sonne scheint.
Und vielleicht ist genau das das sicherste Zeichen dafür, dass der Sommer langsam zu Ende geht.
Norbert und das Miezi
ÜBER DIE AUTOREN

Das Miezi und Norbert
Miezi ist die heimliche Chefin hier – neugierig, eigensinnig und sehr überzeugend, wenn es um Futter, Lieblingsplätze und Katzenlogik geht.
Norbert beobachtet den Katzenalltag mit viel Geduld und einem Blick für praktische Lösungen. Auf Dasmiezi.com geht es um Katzenzubehör, Katzentoiletten, Beschäftigung, Futter und kleine Alltagshelfer, die das Leben mit Katze einfacher machen können.
Wir schreiben aus echter Katzenerfahrung heraus – mit Freigängern, Katzenklappe, Alltagschaos und dem Wunsch, anderen Katzenhaltern gute, verständliche Orientierung zu geben.
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© Norbert Kammerer
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